Notenausgabe im Detail
Sonatine & Kanonische Suite & "Irini"
Über die Komponist:innen
Bernhard HölscherDie Werke des Solingener Komponisten Bernhard Hölscher sind von neomodaler und personaler Tonsprache geprägt. Er studierte von 1946-1950 Klavier, Komposition, Schulmusik und Germanistik in Köln. Mit seiner Sonate für Violoncello und Klavier von 1948 gewann der 1923 geborene Hölscher den 1. Preis beim Kölner Kompositionswettbewerb. Die Sonate wurde im WDR aufgenommen und gesendet, geriet danach aber in Vergessenheit. Durch den persönlichen Kontakt zum Komponisten kam es 2005 zur Erstausgabe im Musikverlag Hauke Hack. Die "Gedanken über B-A-C-H" entstanden 2004 für das Uraufführungsprojekt “frisch verfugt”. Weitere Werke von Hölscher im Verlag sind die beiden Celloquintette von 1990 und 2010 sowie “Drei Lieder nach Morgenstern-Gedichten” für Sopran und Celloquartett. Ebenso verlegt sind seine Streichquartette von 1991 und 1996 sowie die Klavier-Sonatine und die Kanonische Suite für Klavier.
Bernhard Hölscher starb mit knapp 92 Jahren 2015.
Rüdiger ClaussRüdiger Clauß (*1968) ist 1. Solocellist des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters.
Über das Werk
Die Sonatine für Klavier schrieb Bernhard Hölscher für seine Frau Therese als Geschenk zum 24. Geburtstag. Sie entstand nach seiner Cellosonate von 1948 und der Kanonischen Suite in einer Zeit, in der Hölschers Personalstil bereits gefestigt war.
Die Sätze Allegro vivace - Andante - Presto im klassischen Wechsel schnell, langsam, schnell, bilden die Sonatine. Wenngleich das Allegro vivace und das Andante in E-Dur enden, das Presto in E ohne Terz, ist die Partitur ohne Grundtonart notiert, da sich die Musik im modalen und atonalen Raum bewegt.
Das Allegro vivace beginnt mit einer tänzerischen Aufwärts-Motivik in der rechten Hand in e-Moll, während die linke Hand mit E-Dur, D-Dur und C-Dur abwärts geführte Dreiklänge dazu spielt. Schon hier wird deutlich, dass statt einer tonalen Zuordnung eher das Spannungsfeld verschiedener Tonarten eine Rolle spielt. Motivisches Material wird im klassischen Sinne durchgeführt.
Das kurze Andante im 6/8 - Takt und wiegendem Siciliano-Rhythmus hat einen kleinen polyphonen Mittelteil und erinnert etwas an Miniaturen von Eric Satie.
Vier abwärts fallende Achtel und ein aufsteigender Septakkord in Vierteln bilden das motivische Grundmaterial für den 3. Satz (Presto) der Sonatine, das in verspielter Art verarbeitet, variiert und augmentiert wird.
Die Kanonische Suite aus dem Jahr 1949 besteht aus fünf Charakter-Sätzen. Hölscher folgt sehr konsequent dem Imitationsprinzip des Kanons. Wie in der Sonatine gibt es keine definierte Grundtonart, die Stücke sind atonal. Die starke satztechnische Struktur verleiht den Sätzen Einheit. Die dynamischen Angaben im Autograph enden im 5. Satz (Sehr rasch) bei Takt 36. Ab Takt 37 sind die dynamischen Bezeichnungen vom Herausgeber eingefügt, was in den Noten nicht zusätzlich kenntlich gemacht ist. Es bleibt den Interpret*innen überlassen, andere Entscheidungen zu fällen.
Das Klavierstück “Irini” schrieb Rüdiger Clauß 2015 im Rahmen der Teilnahme an einem Kompositionswettbewerb. Die Vorgabe war, ein ca. 5 Minuten langes Klavierstück zu schreiben, in dem ein Morsecode verarbeitet werden sollte. Bei dem zu morsenden Wort handelte es sich um das griechische Wort “Irini”, was Frieden bedeutet.
Der Morserhythmus für “Irini” ist:
. . . _ . . . _ . . .
Man kommt insgesamt auf 13 Achtel und so erklärt sich der ständige Taktwechsel von 4/4 - Takt und 5/8 - Takt.
Das Stück ist so angelegt, dass dieser Code ununterbrochen durchläuft, manchmal erkennbar als Imitation eines Morsesignals, manchmal eingebettet in elegische Abschnitte.
* die Preise sind Brutto-Preise, hinzu kommen 1,80 € Portokosten für Sendungen bis 500 gr. innerhalb Deutschlands, ab einem Bestellwert von 30,- € trägt der Verlag Portokosten bis 3,- €.